Die unvollendete Fassade von San Marcuola in Cannaregio
Cannaregio, Ende Mai. Die meisten Kirchen in Venedig fallen durch aufwendigen Marmor oder verzierten Putz auf. San Marcuola ist das genaue Gegenteil. Die Fassade ist schlichtweg unfertig geblieben. Eine massive, nackte Ziegelwand, die durch ihre strenge Symmetrie fast schon abweisend wirkt. Genau diese rohe Struktur war der Grund, warum ich hier die Kamera angesetzt habe.
Die Szenerie davor passte perfekt zu dieser Nüchternheit. Das Licht fiel an diesem Tag sehr weich und gleichmäßig auf den Platz, was die tiefen Fugen im Mauerwerk gut herausarbeitete. Unten am Wasser spielte sich der ganz normale Alltag ab. Zwei ältere Menschen gingen in aller Ruhe den gepflasterten Weg entlang. Auf der rechten Seite legte zeitgleich ein kleines Lieferboot an, voll beladen mit braunen Kartons.
Nichts an diesem Motiv ist laut oder inszeniert. Es gibt keine klassischen Touristen-Highlights im Bild, nur den Kontrast zwischen der wuchtigen Architektur und einer simplen Alltagssituation. Das Foto funktioniert fĂĽr mich gerade wegen dieser Reduktion. Es ist ein ruhiger, dokumentarischer Blick auf die Stadt.
